1. DartSportVerein Reutlingen e.V.


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Presse artikel

Denis Raiser & Walter Nijssen
Denis Raiser & Walter Nijssen

Das schwere Spiel mit den leichten Pfeilen

REUTLINGEN. Der Zigarettenqualm brennt leicht in der Nase, halb leere Biergläser stehen auf den Tischen. Das Kneipensport-Klischee scheint sich zu bestätigen, als ich im Café Bar Metropol in Sondelfingen zum Training des 1. Dartsportverein Reutlingen komme. »Ein paar von uns trinken vorher was, weil sie dann besser spielen«, sagt Walter Nijssen, Zweiter Vorstandsvorsitzender, mit einem breiten Grinsen.

Aber auch bei den Amateurspielern, die als »Dartarossa« in der »Schwaben Kreisliga 3« und einer Hobby-Liga an den Start gehen, halte die Professionalität Einzug, erzählt der 48 Jahre alte Niederländer. Vor allem die jungen Spieler stehen teils täglich mehrere Stunden vor der Scheibe. Und bei manchen erweckt das Bierglas einen falschen Eindruck. »Ich trinke nur alkoholfreies Bier, weil ich andernfalls nichts mehr treffen würde«, sagt Walter.

Als jemand, der im Schnitt höchstens einmal im Jahr an einem Dart-Automaten in der Kneipe zockt, treffe ich bei meinem ersten Versuch im Steeldarts zwar die 2,37 Meter entfernt hängende Scheibe aus Kork, die drei Pfeile landen allerdings alle außen auf dem schwarzen Zahlenring – null Punkte. Anvisiert hatte ich die Treble 20, die höchste Wertung. Das sei kein Wunder, bekomme ich zu hören, schließlich sei Steeldarts etwas »vollkommen anderes« als Automatendarts. Die Pfeile haben eine Metallspitze und sind dadurch viel schwerer und haben andere Eigenschaften, erklärt Walter. Seine schwersten Pfeile sind 40 Gramm schwer. Die Pfeile mit einer Kunststoffspitze für die elektronische Variante bringen maximal 21 Gramm auf die Waage.

Walter sind an mir typische Anfängerfehler aufgefallen. Statt den vorderen Fuß senkrecht zur Scheibe zu stellen, soll ich einen 45- bis 90-Grad-Winkel bilden und das Gewicht nach vorne verlagert. »So kommst du näher an die Scheibe ran.« Er gibt mir auch den Tipp, den Wurf nicht abzubrechen, sondern den Arm nach vorne durchzuziehen.

»Beim Darts lernst du, dich richtig zu ärgern«

Die Dartpfeile sind eine Wissenschaft für sich. »Es gibt nicht den einen besten Pfeil«, erklärt Walter, »das ist bei jedem unterschiedlich«. Dem einen liege es mehr, wenn das Gewicht weit vorne im Pfeil liegt, dem anderen, wenn das Gewicht in der Mitte ist. Auch mache es einen großen Unterschied, welchen »Flügel«, das ist die hinterste Komponente eines Darts, man aufsetzt. In 30 Jahren in diesem Sport hat sich bei Walter eine kleine Sammlung angehäuft. Acht Sets hat er dabei, die zwischen 35 und fast 200 Euro kosten. »Als Spieler ist es wichtig, dass man auch mal etwas Neues ausprobiert. Damit kann man sein Spiel enorm verbessern.« Das Wichtigste aber ist, das bekomme ich an diesem Abend immer wieder zu hören: werfen, werfen, werfen. Nach ungefähr 50 Versuchen stellt sich bei mir eine Wurfroutine ein. Es fühlt sich zumindest so an. Auch wenn ich der Treble 20 das eine oder andere Mal nahekomme, ist die Streuung immer noch groß. Ob das in einem Match besser wird? Das will ich in einem Duell gegen meinen Coach herausfinden. Von 501 Punkten wird die erreichte Wertung abgezogen. Wer zuerst genau auf null ist, hat gewonnen. Zum Beenden muss ein Double-Feld getroffen werden.

Walter steht nach seinen ersten drei Pfeilen bei 415 Punkten, ich bei 479. Mich beruhigt, dass selbst Walter nicht alles gelingt. In der nächsten Runde kommt er nur auf 17 Punkte. »Beim Darts lernst du, dich richtig zu ärgern«, kommentiert er lachend. Mein nächster Wurf ist ein Erfolgserlebnis. Der Pfeil bleibt in der Mitte im grünen Ring des Bullseyes stecken, 25 Punkte. Ein Glückstreffer. »Sauber«, freut sich Walter mit mir. Der nächste Pfeil prallt vom Board ab und fällt zu Boden. Keine Punkte. Auch wenn Walter nicht seinen besten Tag hat, zieht er schnell davon und beendet den ersten Durchgang mit seinem 26. Wurf. Der zweite Durchgang läuft ähnlich. Walter macht konstant mehr Punkte. Er muss für den Sieg nur noch das Doppel-Feld der Fünf treffen, verfehlt es aber mehrmals. Mein Pfeil landet unverhofft in der Treble 20. »Jetzt zockt er dich ab«, höre ich jemanden grölen. Ich bekomme gerade erklärt, wie ich mit den nächsten drei Pfeilen gewinnen kann, als Walter ruft: »Check.« Game over.

Nach zwei Stunden Darts-Training bin ich platt. Es ist überraschend anstrengend, permanent konzentriert zu bleiben. Auch wenn ich kein Spiel gewonnen habe, hat es Riesenspaß gemacht. »Du hast in kurzer Zeit einen super Fortschritt gemacht«, lobt mich mein Trainer. Um mein Talent im Darts einzuschätzen, reicht dieses Schnuppertraining allerdings noch nicht. Dafür müsste ich nun weiter üben, üben und nochmal üben. »Komm doch einfach ab jetzt jede Woche«, meint Walter lachend. (GEA)

Artikel GEA 27.12.2021

Darts-Hype in Reutlingen

Gigantische Einschaltquoten machen Darts zu einem Renner – auch in Reutlingen. Wie ein Sportverein und ein Fachgeschäft von dem Hype um die WM in London profitieren.

Von  27.12.2021 07:00

Spieler des 1. Dartsportvereins Reutlingen (von links) aus: Der Vereinsvorsitzende Eberhard Denzel, Vize und Pressewart Walter Nijssen, Teamcaptain Dominik Schenk und Jugendwart Ralf Wiedner. Foto: Anne Leipold

REUTLINGEN.

Darts wird in Deutschland immer beliebter. Der Sport, der einst fast ausschließlich in Kneipen getrieben wurde, ist im Trend, die Weltmeisterschaft im Alexandra Palace ein Kult-Event. Längst hat der Hype auch Reutlingen erreicht.

»Die WM hat riesen Auswirkungen«, sagt Eberhard Denzel, Vorstand des 1. Dartsportverein Reutlingen, und ergänzt: »Wir erleben das jedes Jahr aufs Neue, nachdem das Turnier ausgestrahlt wurde, bekommen wir enormen Zulauf.« Lange halten die Neulinge aber meistens nicht durch. »50 bis 70 Prozent der Anfänger geben nach zwei bis drei Monaten auf, weil sie merken, dass ihr Niveau doch nicht so hoch ist, um mitzuhalten zu können«, sagt Denzel.

Auch im Einzelhandel macht sich die Darts-WM positiv bemerkbar. »Wir haben in diesem Zeitraum etwa zehn Mal so viele Kunden wie sonst«, sagt Jutta Bröselge. Sie ist Inhaberin des Reutlinger Fachgeschäfts »Sonnenschirm Sportbedarf«, das unter anderem Dart-Zubehör verkauft. Im Winter laufe das Geschäft mit Scheiben und Pfeilen laut Bröselge grundsätzlich besser. Die mediale Präsenz des Sports sorge bei vielen dann zusätzlich für Motivation, mit Darts anzufangen. (GEA)Der Verein zählt mittlerweile 30 Mitglieder. Ein Team geht in der »Dart-Liga Schwaben Kreisliga 3« auf Punktejagd, das andere spielt in einer Hobby-Liga. Training ist jeden Donnerstag im Café Metropol in Sondelfingen. Obwohl sechs Boards zur Verfügung stehen, wird es zum Teil ziemlich eng, sagt Denzel. Deshalb überlege man derzeit, noch einen zweiten Trainingsabend anzubieten.


ARTIKEL SWP
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